Jahreshauptversammlung am 5. März 1982 im Gasthaus „Zur Burg“: Karl Pschierer konnte an diesem Abend 92 Mitglieder begrüßen und Rückblick auf ein bewegtes Vereinsjahr halten. Bei den anschließenden Vorstandswahlen gab es gravierende Veränderungen. Mit Gerhard Scheurich und Erwin Tauber stellten sich zwei erfahrene Männer für den 1. bzw. 2. Vorsitzenden zur Wahl, die für beide einstimmig ausfiel. Die Komplettierung der Führungsmannschaft folgte im Anschluss: Karlheinz Henrich/Walter Müll (Kassenwarte), Gerald Britting (Schriftführer), Herbert Schäfer (Jugendwart), Cornelia Scheurich (Abteilungsleiterin Turnen) sowie Kurt Jungwirth/Hans Adolf Weil (Abteilungsleiter Handball). Die ersten Amtshandlungen des neuen TSV-Vorsitzenden Gerhard Scheurich waren die Ehrungen von zwei engagierten, verdienstvollen Vorstandsmitgliedern. Karl Pschierer, der den Vereinsvorsitz 14 Jahre lang mit großer Leidenschaft begleitete, wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Werner Pentz, der mit Begeisterung sein Amt als 1. Kassenwart 21 Jahre lang ausübte, wurde dafür die Ehrenvorstandmitgliedschaft verliehen.

Nach jahrelangem Hoffen und Bangen trat das langersehnte Bauvorhaben „Neubau einer Sporthalle“, welches ein politischer Dauerbrenner war, 1985 in eine entscheidende Phase. Unsere Stadtväter beschlossen, dass das neue Projekt in der Kernstadt Münzenberg errichtet wird. Gleichzeitig rutschte dieses Bauwerk in der Prioritätenliste des Landes Hessen auf Platz 1. Endlich konnte Architekt Kristen mit der Planung beginnen. Die Baubehörde stellte uns auf eine lange Geduldsprobe, ehe das „Ja“ kam. Nun gab es kein Halten mehr. Als im Dezember 1986 erstmals die Baumaschinen über das Baugelände ratterten, ging ein erlösendes Aufatmen durch die Stadt.

Am 22. Juli 1988 erfolgte nach etwas mehr als zwei Jahren Bauzeit die Einweihung. Ein historischer Tag in der Geschichte Münzenbergs! Die sportliche Inbetriebnahme, von den beiden Sportvereinen aus Münzenberg und Gambach gestaltet, fand vom 16. bis 18. September statt. Drei Tage boten die Handballer anspruchsvolle Spiele. Ab dieser Zeit ist die Sporthalle Münzenberg, die nicht nur den Handballern, sondern auch den Turnern, Freizeitsportlern und im Winter den Fußballern zur Verfügung steht, voll ausgebucht.

Ein Wiedersehen nach 32 Jahren Stacheldraht und Betonmauern zeichnet sich ab! Was war geschehen? – Durch die stürmischen Ereignisse vergangener Monate, als Ostdeutsche ihren Urlaub über Ungarn in die Freiheit nach Westdeutschland nutzten, kam es letztendlich im November 1989 zum „Fall der Mauer“ und damit zur großen Wende und Öffnung der Grenzen. Kurz darauf erhielt Althandballer Rudolf Schwenz, der mit Willi Schmitte die Freundschaftsbande zu den ehemaligen Handballern aus Ronneburg/Thüringen all die Jahre trotz Hindernisse pflegte, von Sportkamerad Hans Kretschmar einen ergreifenden Brief. In diesem stand u.a.: Lieber Rudolf! Es ist soweit! Die Mauer ist gefallen! Wir können wieder frei reisen! Wir dürfen …

Nun ging alles schnell! Als am Freitag, dem 15. Dezember 1989, 22 Mitglieder der Betriebssportgruppe „Wismut Ronneburg“ dem Bus vor der neuen Sporthalle entstiegen, waren die Wiedersehensfreuden riesengroß. Nach einem kleinen Begrüßungstrunk stand bereits der Empfang der Stadt und des TSV Münzenberg auf dem Programm. Den Samstag verbrachten unsere Gäste bei ihren Familien. Am Sonntagvormittag fand wie einst in den 50er Jahren ein sportlicher Vergleich beider Mannschaften statt, der mit einem leistungsgerechten 23:23-Unentschieden endete. In beiderseitigem Einvernehmen versprach man, die freundschaftlichen Beziehungen zu vertiefen und zu pflegen.

Volker Michel, leidenschaftlicher Handballer und mit seinem Bruder Harry Mitinhaber des Vereinslokals „Zum Bierheinrich“, erlag am 6. Juli 1989 im Alter von 32 Jahren völlig unerwartet einem Herzversagen. Sein handballerisches Wirken begann 1969 im neu gegründeten D-Jugend-Team. Mit seinem Vater Artur, der diese Crew trainierte, gewannen sie sofort mehrere Meisterschaften, die sich in den weiteren Jugendjahren öfter wiederholten. 1977 wechselte er aus Altersgründen in die 2. Mannschaft über, in der er bis zu seinem Ableben als fairer und engagierter Spieler aktiv war. – Ihm zu Ehren wurde zehn Jahre lang der „Volker-Michel-Gedächtnispokal“ beim Kleinfeldturnier ausgespielt, den die beste Mannschaft für ein Jahr mit nach Hause nehmen durfte.

 

Nachdem die Sporthalle im September 1988 mit großer Freude bezogen werden konnte, gab es bald neue Perspektiven. Die Rufe von einigen Weitsichtigen, sich wie bei der Jugend mit den Gambacher Aktiven zur Handballgemeinschaft zusammenzuschließen, fand bei den Münzenbergern vorerst kein Gehör. Erst als sich die Lage bei unseren Herrenmannschaften immer prekärer gestaltete und es zu Personalproblemen kam, fing man an, die Sturmglocken zu läuten. Es erforderte ungeheure Überzeugungskünste, um die große Zahl der Zweifler und Gegner von einer notwendigen Spielgemeinschaft (SG) zu überzeugen. – Warum tat man sich mit unserem Nachbarn so schwer? Gegenargumente wie Unterschiede in der Struktur beider Vereine, Identitätsverlust oder es sei noch verfrüht zur SG, waren meist nur Vorwand.

Nach langem Hin und Her und Abwägungen unzähliger Für und Wider kam es letztendlich in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 3. Mai 1991 zur Abstimmung. Mit einer knappen Mehrheit von 11 Stimmen wurde die Bildung einer Spielgemeinschaft mit den Handballern des TSV Gambach ab der Saison 1991/92 entschieden. Die Vernunft hatte gesiegt!

Rudolf Schwenz, engagierter Torwart und langjähriges Vorstandsmitglied, verstarb am 18. April 1991 unerwartet kurz nach Vollendung seines 70. Lebensjahres. 1933 hatte seine sportliche Laufbahn in der Schülermannschaft begonnen. Den größten Erfolg verbuchte er in seinem Team zum Ende seiner Jugendzeit mit der Erringung der Bannmeisterschaft 1938/39. – Aus der Gefangenschaft zurückgekehrt, gelang ihm sofort der Sprung in die 1. Mannschaft. Hier entwickelte sich Rudolf Schwenz zum großen Rückhalt einer überwältigenden Handballgeneration. Sagenhafte Erfolge reihten sich von 1949 bis 1951 aneinander. Kreismeister-, Bezirksmeister- und Gruppenliga-Meisterschaft waren die Stationen. 1962 setzte er noch ein letztes Highlight, als er mit einer ehrgeizigen Nachwuchsmannschaft die Bezirksmeisterschaft und den Aufstieg in die Verbandsliga Nord erkämpfen konnte. Mit 56 Jahren beendete er im „Alten-Herren-Team“ seine ruhmreiche Handballkarriere.

Die erste offizielle Mitgliederversammlung der neu gegründeten SG Münzenberg/Gambach war für den 18. Oktober 1991 terminiert. Für die bisherigen sportlichen Belange betätigte sich bereits ein kommissarisch eingesetzter Führungsstab mit großem Engagement. Neben Informationen stand die sportliche Beurteilung der angelaufenen Saison sowie die Wahl des SG-Vorstandes im Vordergrund. Die Abstimmung für die beiden ersten Vorsitzenden Klaus Weckmann (TSV Gambach) und Herbert Schäfer (TSV Münzenberg) erfolgte einstimmig.

Münzenbergs „Turnvater Otto Frank“, am 13. Februar 1907 im Sudetenland geboren, erlag am 14. Februar 1992, einem Tag nach seinem 85. Geburtstag, einem Krebsleiden. Frank, der sich dem Turnen verschrieben hatte, fand nach der Entlassung aus australischer Gefangenschaft 1946 in Münzenberg eine neue Heimat. Als Neubürger übernahm er 1947 das Amt des 1. Turnwartes, das er bis 1970 ausübte. Für sein unermüdliches Wirken und seine Verdienste erhob ihn der Verein zum Ehrenturnwart. Von 1954 bis 1977 war er auch als Gauturnwart und Gau-Altersturnwart aktiv.

25 Jahre Gymnastikgruppe. – Im Oktober 1969 trafen sich 23 couragierte Frauen im Gasthaus „Zum Löwen“, um eine Gymnastikgruppe zu gründen. Birgit Deines übernahm den Posten als Übungsleiterin. 25 Jahre übte man fleißig und hielt sich fit. Trotz neuer Sporthalle und optimaler Bedingungen verkleinerte sich der Kreis konstant, der dann 1994 auseinander fiel. Die Truppe, für ihre Geselligkeiten bekannt, hatte sich als Schlagsahnenriege einen hervorragenden Namen erworben. Von 1975 bis 1992 gestaltete sie Jahr für Jahr in Eigenregie Faschingsfeiern. Unter dem Motto „Altweiberfastnacht“ mit Büttenreden, Tanz- und Gesangsdarbietungen organisierte das Weiberkomitee unvergesslich schöne Stunden.

Auf Einladung unserer Thüringer Freunde machten sich 35 Münzenberger auf den Weg, um vom 2. bis 4. April 1993 in der Partnerstadt Ronneburg „40 Jahre Sportfreundschaften“ gebührend zu feiern. – Pfingsten 1953 hatte alles begonnen, als eine 18-köpfige Delegation aus der damaligen Ostzone zu einem Freundschaftsspiel in Münzenberg weilte. Die hier geknüpften Bande sind durch nichts zu erschüttern.

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