Im Januar 1968 hielt der TSV im Gasthaus „Zur Burg“ die Jahreshauptversammlung ab. Nach Begrüßung der 60 Mitglieder bat Vorsitzender Richard Eberle, sich zu Ehren des verstorbenen Mitgliedes Alfred Schmitte, ehemaliger Handballer und Jugendtrainer, zu erheben, um seiner zu gedenken. In seinem Jahresbericht erwähnte er u.a., dass man mit dem Bau eines Kleinfeldes begonnen habe. Weiter sagte er auch, dass er aus beruflichen Gründen für den Vorsitz nicht mehr kandidieren könne. Bei den Wahlen ergaben sich daher einige Verschiebungen. 1. Vorsitzender wurde der seitherige Schriftführer Karl Pschierer. Richard Eberle blieb dem Vorstand erhalten und rückte als dessen Stellvertreter ins zweite Glied. Walter Tinz übernahm das Amt des Schriftführers.

Am 30. Oktober 1968 verstarb kurz nach Vollendung seines 60. Lebensjahres Ehrenvorsitzender Otto Schlecht, geboren am 9. September 1908, nach langer, schwerer Krankheit. Von 1930 bis 1936 war er 1. Turnwart. Danach übernahm er das Amt des 1.  Vorsitzenden, das er bis Kriegsende ausübte. Nach fünf Jahren russischer Gefangenschaft, aus der er im Dezember 1949 zurückkehrte, übertrug man ihm ein weiteres Mal den Vereinsvorsitz, den er von 1950 bis 1964 begleitete. Von 1955 bis 1962 war er auch Gaugeschäftsführer.

Bei der am 14. Januar 1970 stattgefundenen Jahreshauptversammlung im Gasthaus „Zum Löwen“ würdigte der 1. Vorsitzende Karl Pschierer den aus dem Amt scheidenden 1. Turnwart Otto Frank für sein 23 Jahre langes und beispielloses Engagement. Otto, der mit Leib und Seele dabei und über alle Maßen beliebt war, verließ sein Tätigkeitsfeld nicht unvorbereitet. Damit sein Lebenswerk weiterhin Bestand hat, empfahl er, die Lasten auf mehrere Schultern zu verteilen. Mit Walburga Eimer, Brigitte Langsdorf und Birgit Deines stellten sich gleich drei junge Frauen, die bei „Turnvater Otto Frank“ das Turnen erlernt hatten, für die Ämter Abteilungsleiterin, Kinderturnwartin und Frauenturnwartin in den Dienst der guten Sache.

Eine große Schar Reitsportinteressierter stellte den Antrag um Aufnahme in den Verein, die man ihr auch im März 1970 gewährte. – Durch den geplanten Bau einer Reithalle ergaben sich für die Reiter jedoch neue Perspektiven, die mit den Statuten des TSV nicht in Einklang zu bringen waren. Die daraus resultierenden Probleme zwangen zur Selbstständigkeit. Die Trennung erfolgte im Januar 1973 im gegenseitigen Einvernehmen.

Ehrenmitglied Heinrich Schwenz, geboren am 19. Mai 1887, verschied am 1. April 1971 nach der Amputation eines Beines infolge einer Embolie. Er war von 1929 bis 1936 und von 1948 bis 1952 1. bzw. 2. Vorsitzender des Vereins.

Der TSV 1904 Münzenberg e.V. blickte vom 7. bis 9. Juli 1979 mit Stolz auf eine 75-jährige Vereinsgeschichte und die 50 Jahre alte Handballabteilung zurück. Beim Kommers konnte Vorsitzender Karl Pschierer viele Gäste aus nah und fern sowie die Vertreter des Turngaues Wetterau-Vogelsberg, des Deutschen Turnerbundes und des Hessischen Handballverbandes herzlich willkommen heißen. Festpräsident Richard Eberle wies mit Genugtuung auf eine traditionsreiche Vergangenheit hin. Schirmherr Landrat Helmut Münch und auch Bürgermeister Erwin Müller waren des Lobes voll. Einen Höhepunkt erlebten die Festversammelten, als Pfarrer Christian Scholz die neue Fahne, die durch die Spendenfreudigkeit der Münzenberger finanziert werden konnte, feierlich einweihte.

Am Sonntag bewegte sich ein farbenfroher Festzug durch Münzenbergs historische Straßen. Anschließend war großes Treffen im Festzelt mit musikalischen Darbietungen der Schulkinder. Der Montag galt ganz dem Vergnügen, das mit dem Frühschoppen begann und mit Tanz endete.

Die einstige Handballhochburg Münzenberg wackelte in ihren Grundfesten, der Glanz vergangener Jahre verglühte. Die Tabellenplätze auf dem Großfeld und in der Halle verschlechterten sich konstant. Nach Beendigung der Hallensaison 1967/68 konnten unsere Handballer den Sturz in die allerunterste Klasse nicht verhindern. Zwei Jahre später war auch der Abstieg aus der Großfeld-Bezirksklasse besiegelt. Eine Entwicklung mit gravierenden Versäumnissen bescherte diesen deprimierenden Zustand. – Nun erwachten endlich Vorstand und Spieler aus ihrer Lethargie und versuchten mit großen Anstrengungen wieder nach oben zu kommen. Dies gelang nach Integration junger Talente und Verpflichtung kompetenter Trainer in respektabler Weise.

Auf dem Großfelde gelangen jetzt wieder Meisterschaften in Serie und Aufstiege bis in die Oberliga Hessen. Im Anschluss an diese tollen Resultate ließ aber die Popularität des Großfeld-Handballs von Jahr zu Jahr zu wünschen übrig. Das endgültige „Aus“ fiel im Jahre 1985.

Der Hallenhandball hatte längst, auch in Münzenberg, die Spieler und Zuschauer verzaubert. Ab der Saison 1972/73 begann ein atemberaubender Aufstieg von der Kreisklasse B bis in die Regionalliga Südwest. Im Jahre 1977 war dann die Leistungsgrenze überschritten. Das Zurück in die Verbandsliga Nord konnte nicht verhindert werden. Nach einem historischen 13:12-Sieg über Oppershofen gelang im Jahre 1980 der Wiederaufstieg in die Oberliga Hessen. Hier hielten sich die Burgstädter bis 1988, dann war der Abstieg in die Bezirksliga I besiegelt. In den folgenden Jahren bemühten sich unsere Handballer um den Aufstieg in eine höhere Klasse, doch konnte dies unter der alleinigen Regie des TSV Münzenberg nicht mehr realisiert werden.

 

Die große Euphorie übertrug sich nun auch auf unsere Weiblichkeit. Im Frühjahr 1974 gründeten die Althandballer Werner Wirth sowie Willi Schmitte mit Hans-Jürgen Burk zeitgleich eine Schülerinnen- und Damenmannschaft. Beide Teams sprühten vor Ehrgeiz und landeten sofort sehenswerte Erfolge. Die Schülerinnen stellten in den ersten Jahren alles in den Schatten und gewannen auf dem Kleinfeld, in der Halle und bei den Kreispokalspielen alle Meistertitel. – Die Frauen hatten ähnliche Erfolgsquoten. Im zweiten Jahr der Zugehörigkeit gelang bereits in der Hallen-Kreisklasse B die Meisterschaft und der Aufstieg in die A-Klasse. Weitere Gewinne ließen nun nicht mehr auf sich warten: Kleinfeld-B-Vizekreismeister 1976 mit Aufstieg in die Kreisklasse A, Vize-Kreispokalsieger 1976/77, Kleinfeld-A-Vizekreismeister 1977.

Von 1977 bis 1980 geriet das Team der Frauen durch Babypausen und Abgänge in personelle Nöte. Als erstmals der aufrückende A-Jugend-Nachwuchs integriert werden konnte, gelang zum Abschluss der Hallensaison 1981/82 die Vize-Kreismeisterschaft“ und der Aufstieg in die Bezirksliga II, in der man sich bis 1989 halten konnte. Nach dem Abstieg in die Kreisklasse A spielten die Burgstädterinnen noch ein Jahr, bis die Entscheidung fiel, den regulären Spielbetrieb mangels Spielerinnen 1990 einzustellen.

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