Für eine positive Entwicklung der Turner sorgte der Besitzer des Vereinslokals „Zum Löwen“, Karl Metzger, der Mitte der zwanziger Jahre seinen Saal erweitern ließ, um alle Turngeräte unterbringen zu können. Von nun an hatten die Turner endlich eine würdige Bleibe. Weitere Verbesserungen der Trainingsmöglichkeiten ergaben sich, als die Stadtväter dem Verein ein Stück Wiese, das im heutigen Bereich „Im Eiloh“ lag, 1926 als Sportplatz zur Verfügung stellten. Vorbei waren nun die Zeiten, in denen die Turner in Gärten, Scheunen und auf dem Steinberg trainieren mussten.

Im Jubiläumsjahr 1929, als der Turnverein im kleinen Rahmen seinen „25. Geburtstag“ feierte, ergab sich an der Vereinsspitze ein Wechsel. Für Otto Enders, der mit viel Geschick den Vorsitz 2½ Jahrzehnte inne hatte, wurde Heinrich Schwenz als Nachfolger das Vertrauen ausgesprochen. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit, die bis 1936 währte, gründete man für die ballbegeisterten Sportler eine Handballabteilung.

Für einen wesentlichen Aufschwung im Turnen sorgte Otto Schlecht, der 1922 als 14-Jähriger nach Münzenberg kam. Durch seine solide Ausbildung, die er in Stuttgart genossen hatte, stieg er bald zum Vorturner auf. Im Jahre 1930 übernahm er von Heinrich Kullmer das Amt des 1. Turnwartes, das er bis zu seiner Wahl zum Vorsitzenden im Jahre 1936 inne hatte. Erwähnt seien auch die Turnwarte, die das Turnen von 1904 an leiteten und sich verdient machten: Friedrich Jakob Mengel I., Friedrich Schäfer, Heinrich Wend, Karl Hitzel, Karl Enders, Otto Hitzel, Heinrich Kullmer, Otto Schlecht.

Unsere Turner waren von 1929 bis 1933 sehr rege und nahmen an vielen Veranstaltungen teil. Zwei Ehrenurkunden aus den Jahren 1930 und 1932 belegen, dass man sich bei den Gauturnfesten in Kirchhain und Gießen hervorragend präsentierte. – Mit der Machtübernahme durch Adolf Hitler im Jahre 1933, als er seine nationalsozialistischen Interessen durchsetzte und die jüdischen Sportler aus allen Vereinen verbannte, endete jäh das erfolgreiche Männerturnen in Münzenberg.

Ein trauriges Kapitel in der Geschichte des deutschen Volkes nahm seinen Lauf. Eine finstere Epoche begann auch für Münzenbergs jüdische Sportler mit ihren Familienangehörigen. Sie, die sich als Münzenberger fühlten und in all den Jahren in Harmonie mit allen lebten, verstieß man auch aus unserem Verein. Die weiteren Verbrechen, die allen Juden widerfahren sind, erschüttern und beschämen uns zutiefst. – Eine Gedenktafel am jüdischen Ehrenmal südlich der evangelischen Kirche erinnert uns nicht nur an die Ermordeten, die den Massakern in den Konzentrationslagern zum Opfer fielen. Sie erinnert uns auch an diejenigen, die trotz größter Schwierigkeiten ihre ehemalige Heimat Münzenberg noch rechtzeitig verlassen konnten und in fernen Ländern ein neues Zuhause fanden.

 

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